Indianisches Horoskop

Trotz zahlreicher Unterschiede in ihrer Kultur und ihrer Geschichte haben die nordamerikanischen Ureinwohner doch eine Gemeinsamkeit! In ihrer religiösen Gedankenwelt hat jeder Mensch eine innige Verbundenheit mit seiner natürlichen Umgebung. Auf diese Weise bildet er eine unzertrennliche Einheit mit dem Universum und lebt in Harmonie mit Mutter Erde! Für die Indianer bildet die Erde ihre Lebensgrundlage und ist damit die Mutter allen Seins. Sie ist jene Basis, auf der sich das Leben aller Wesen aufbaut und welche die Menschen, Tiere und Pflanzen ernährt. In der Vorstellungswelt der Indianer ist die Gesamtheit menschlichen Lebens ein Kreis, den sie als Erd- oder Medizinrad bezeichnen. Dieses Rad bildet die Grundlage für ein indianisches Horoskop. Es zeigt Tag und Nacht an und gibt den Zyklus der Mondphasen wieder. Darüber hinaus spiegelt es den Kreislauf der Jahrszeiten sowie den Verlauf der Himmelskörper wider.

Somit symbolisiert das Erdrad die Verbindung der Seele mit Natur und Universum und steht für Geburt, Tod und Wiedergeburt. Generell spielt der Kreis im Alltag der nordamerikanischen Indianer eine zentrale Rolle. Ihre Dörfer sind meist in einer Kreisform angelegt und auch bei Zusammenkünften oder Festlichkeiten sitzen sie im Kreis. Im Zentrum des Medizinrades befindet sich der Schöpferstein, das sogenannte „Wakan Tanka“. Dieses steht für die Lebenskraft und hält das Medizinrad in Bewegung. Es ist von den vier Elementen und den Darstellungen der vier Himmelsrichtungen umgeben. Die Elemente geben an, welchem „Klan“ eine Person von Geburt an angehört. Sie zeigen auch, ob dieser Mensch mit Feuer, mit Erde, mit Luft oder mit Wasser verbunden ist. Der Elementeklan zeigt alle Merkmale und Wesenszüge sowie alle Stärken und Schwächen an, die ein Mensch mit seiner Sippe teilt. Dies ist auch für ein indianisches Horoskop von Bedeutung.

Jede Himmelsrichtung wird wiederum durch ein spirituelles Wesen vertreten. Diese sogenannten „Hüter des Geistes“ haben die Aufgabe, den Menschen die Kräfte jeder einzelnen Himmelsrichtung nahezubringen. Darüber hinaus sollen sie ihnen helfen, zu größerer spiritueller Reife zu gelangen. Der äußere Kreis eines Medizinrades symbolisiert den Jahresablauf, aber auch den Lebensweg. Die Indianer sind der Überzeugung, dass ein Mensch im Augenblick seiner Geburt in diesen Kreis eintritt. Je nachdem, wann das geschieht, erhält er bestimmte Fähigkeiten. Das Jahr ist in zwölf Monde gegliedert, die jeweils einem bestimmten Tier zugeordnet sind. Von dem seinen Geburtsmond beherrschenden Tier bekommt ein Mensch seine typischen Eigenschaften. Von diesem „Totem“, wie das Tier auch heißt, lernt er ein Leben lang. Dafür muss er ihm aber auch Liebe, Achtung und Dankbarkeit entgegenbringen.

Ein indianisches Horoskop kennt also zwölf Tiere, welche die Funktion eines Totems einnehmen. Diese Sternzeichen sind Biber, Braunbär, Eule, Hirsch, Lachs, Otter, Puma, Rabe, Roter Habicht, Schlange, Schneegans und Specht. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es regionale Unterschiede gibt: Je nach Stamm sind auch andere Tiere Totems. Auch gewisse Pflanzen und Steine können Eigenschaften haben, die jenen von Totems ähneln. Bei den Pflanzen sind dies Birke, Blaue Camasspflanze, Distel, Heckenrose, Himbeere, Königskerze, Löwenzahn, Schafgarbe, Schwarzfichte, Veilchen, Wegerich und Zitterpappel. Bei den Steinen handelt es sich um Amethyst, Chrysokoll, Feueropal, Granat, Jaspis, Karneol, Malachit, Moosachat, Obsidian, Quarz, Silber und Türkis. Der aus vielen Western bekannte „Totempfahl“ hat mit diesen Totems allerdings nichts zu tun. Das war ein Pfahl, der das Wappen eines Stammes trug und den man zur Erinnerung an denkwürdige Ereignisse errichtete. Das Wappentier eines Stammes oder einer Familie brachte man außerdem auch am Haus und an Waffen an.

Betritt ein Mensch bei der Geburt das Medizinrad, so muss er es möglichst oft umwandern. Nur so lernt er die Vielfalt des Lebens kennen und gewinnt an Reife. Jeder Abschnitt ermöglicht neue Erkenntnisse, die den eigenen Horizont erweitern. So lautet die zentrale Botschaft des Erdrades, nicht stillzustehen, sondern sich ständig zu bewegen und zu verändern …